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Neurogene Fußdeformität

Ein großer Teil der Fußfehlstellungen, die wir in der Orthopädischen Kinderklinik Aschau bei Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen behandeln – unabhängig von Art und Schweregrad –, wird entsprechend ihrer Ursache unter dem Begriff neurogene Fußdeformität zusammengefasst.

Darunter versteht man verschiedene krankhafte Fußfehlstellungen mit neurologischer Ursache, bei denen der Ursprung der Fehlstellung nicht im Fuß selbst, sondern außerhalb des Fußes liegt, insbesondere im Nervensystem.

Ursachen

Die Ursachen neurogener Fußdeformitäten liegen in der überwiegenden Mehrzahl der Fälle im Gehirn (intracerebral) oder im Rückenmark (intraspinal). Es handelt sich dabei stets um systemische Erkrankungen, die nicht auf den Fuß als einzelnes Organsystem begrenzt sind.

Zu den häufigsten Grunderkrankungen zählen unter anderem die Infantile Cerebralparese, Spina bifida und Myelomeningozele, hereditäre sensomotorische Neuropathien (HSMN), die spinale Muskelatrophie, die spastische Spinalparalyse, Muskeldystrophien sowie die Arthrogryposis multiplex congenita (AMC).

Allen diesen Krankheitsbildern ist gemeinsam, dass sich insbesondere die Fußdeformitäten während der sensiblen Wachstumsphase der unteren Extremitäten zunehmend verschlechtern können. Aus diesem Grund sollten betroffene Kinder frühzeitig einer spezialisierten kinderorthopädischen Diagnostik, Therapie und regelmäßigen Verlaufskontrolle zugeführt werden, wie sie in der Orthopädischen Kinderklinik Aschau angeboten wird.

Die kinderorthopädische Behandlung der neurogenen Fußdeformität stellt dabei eine unterstützende Maßnahme dar und ist ein wichtiger Bestandteil der multidisziplinären Behandlung der zugrunde liegenden neurologischen Grunderkrankung.

Symptome

Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene mit einer neurogenen Fußdeformität zeigen im Bereich der Füße häufig eine mehr oder weniger ausgeprägte, strukturell verfestigte Fehlstellung. Ursache hierfür ist in der Regel ein muskuläres Ungleichgewicht, das je nach Grunderkrankung unterschiedlich stark ausgeprägt sein kann.

Das Erscheinungsbild ist sehr vielfältig und kann nahezu das gesamte Spektrum der Fußfehlstellungen umfassen. Dazu gehören unter anderem der Hacken- oder Ballenhohlfuß, der Hohlfuß, der Spitzfuß, der Klumpfuß sowie der Knick-Senkfuß. Die konkrete Ausprägung und Kombination der Fehlstellungen kann individuell sehr unterschiedlich sein.

Behandlungsmethoden

Die Grundlage und der Beginn der Behandlung neurogener Fußdeformitäten, die die Betroffenen häufig lebenslang begleiten, ist die konservative Therapie. Das konservative Behandlungsspektrum umfasst unter anderem die Physiotherapie, die Versorgung mit konfektionierten Einlagen, individuell angefertigten Spezial-Einlagen sowie eine aufwändige orthopädietechnische Versorgung mit Orthesen im Sonderbau.

Abhängig von Ausprägung und Schweregrad der Fußfehlstellung beginnen auch wir unsere Behandlung in der Regel zunächst konservativ. Diese Therapie wird regelmäßig kontrolliert, meist in einem sechs‑monatigen Intervall, und bei Bedarf entsprechend angepasst.

Sollte sich die neurogene Fußdeformität unter konservativer Therapie als therapierefraktär erweisen, sich im Verlauf verschlechtern oder bereits initial einen hohen Schweregrad aufweisen, erfolgt gemeinsam mit dem Patienten und seiner Familie eine Therapieeskalation bis hin zur operativen Fußkorrektur. Ziel jeder Behandlung ist ein funktioneller, belastbarer und stabiler Fuß, der eine möglichst gute Teilhabe am Alltag ermöglicht. Auf dieser Grundlage wird bei Bedarf das operative Vorgehen individuell geplant.

Das operative Spektrum reicht von kleineren wachstumslenkenden Maßnahmen, wie beispielsweise der Arthroriseschraube nach Pellegrin, über weichteilige Eingriffe am Fuß, Sehnenverlängerungen und Sehnenverlagerungen bis hin zu größeren knöchernen Korrekturen, Umstellungsosteotomien und Gelenkversteifungen. Nach einem operativen Eingriff ist häufig eine zwei- bis sechs‑wöchige Gipsruhigstellung unter Entlastung erforderlich, an die sich in der Regel eine Orthesenversorgung anschließt.

Nicht jede kindliche Knick-Senkfußfehlstellung, nicht jede Fußfehlstellung oder auffällige Fehltorsion der unteren Extremitäten muss in gleicher Weise operativ behandelt werden. Zur frühzeitigen Erkennung von Veränderungen mit mittel- oder langfristigem Schädigungspotenzial nutzen wir neben der standardisierten röntgenologischen Bildgebung häufig zusätzlich eine präoperative Ganglaboranalyse.

Im Rahmen dieser wissenschaftlich fundierten Ganglaboranalyse können krankhafte Bewegungsmuster sowie deren Auswirkungen auf benachbarte Gelenke und andere Organsysteme sehr präzise analysiert werden. Zudem lassen sich mögliche therapeutische Lösungsansätze simulieren und bewerten.

Ein hochmodernes Ganglabor sowie eine speziell auf kinderorthopädische Fragestellungen ausgerichtete Röntgenabteilung stehen in der Orthopädischen Kinderklinik Aschau zur Verfügung.

Therapiemöglichkeiten

Im Rahmen der multidisziplinären Behandlung neurogener Fußdeformitäten spielt die spezialisierte Physiotherapie eine zentrale Rolle – von der funktionellen Therapie bis zur langfristigen Begleitung im Wachstum.

Unsere Spezialisten

Dr. med.
Stephan Wieser
Facharzt Orthopädie und Unfallchirurgie, Spezielle Unfallchirurgie, Kinderorthopädie, Manuelle Medizin, Notfallmedizin, Sportmedizin

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